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'''Märchen''' (Diminutiv zu mittelhochdeutsch '''' = ?Kunde, Bericht, Nachricht?) sind Prosatexte, die von wundersamen Begebenheiten erzählen. Märchen sind eine bedeutsame und sehr alte Textgattung in der (Oralität) und treten in allen Kulturkreisen auf. Im Gegensatz zum mündlich überlieferten und anonymen steht die Form des s, dessen Autor bekannt ist. Im deutschsprachigen Raum wurde der Begriff ''Märchen'' insbesondere durch die Sammlung der geprägt.

Im Unterschied zur Sage und Legende sind Märchen frei erfunden und ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt. Allerdings ist die Abgrenzung vor allem zwischen mythologischer Sage und Märchen unscharf, beide Gattungen sind eng verwandt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Märchen '''', das etwa von Friedrich Panzer als märchenhaft ?entschärfte? Fassung der n-Sage aus dem Umkreis der Nibelungensage betrachtet wird. Dabei kann man die Waberlohe als zur Rosenhecke verniedlicht und die Nornen als zu Feen verharmlost ansehen.

Charakteristisch für Märchen ist unter anderem das Erscheinen phantastischer Elemente in Form von sprechenden und wie Menschen handelnden Tieren, von Zaubereien mit Hilfe von Hexen oder Zauberern, von Riesen und Zwergen, Geistern und Fabeltieren (Einhorn, Drache usw.); gleichzeitig tragen viele Märchen sozialrealistische oder sozialutopische Züge und sagen viel über die gesellschaftlichen Bedingungen, z. B. über Herrschaft und Knechtschaft, Armut und Hunger oder auch Familienstrukturen zur Zeit ihrer Entstehung, Umformung oder schriftlichen Fixierung aus. Nach der schriftlichen Fixierung der Volksmärchen setzte eine mediale Diversifikation ein (Bilder, Illustrationen, Übersetzungen, Nacherzählungen, Parodien, Dramatisierungen, Verfilmungen, Vertonungen usw.), die nun an die Stelle der mündlichen Weitergabe trat. Insofern ist die ?Rettung? der Märchen etwa durch die Brüder Grimm zwar einerseits begrüßenswert, aber andererseits setzt dies auch der mündlichen Weitergabe eines mono-medialen Texttyps ein jähes Ende.

''Märchenerzählen'' ist als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt worden. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat das Märchenerzählen im Dezember 2016 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Märchenforschung

Vergleichende Märchenforschung

Die vergleichende Märchenforschung wurde von den Brüdern Grimm begründet und von , abgekürzt ATU, geführt und enthält eine umfangreiche Liste von Märchentypen mit systematischer Katalogisierung der Handlungseinheiten.

Der russische Philologe Wladimir Jakowlewitsch Propp leistete 1928 mit seiner strukturalistischen Untersuchung über die Morphologie des Märchens einen wichtigen Beitrag zur literaturwissenschaftlichen Märchenforschung. Dem fügte Eleasar Meletinsky wichtige Einsichten zur Abgrenzung von Märchen und Mythos hinzu.

Psychologische und psychoanalytische Ansätze

In jüngerer Zeit wurden Märchen auch mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen aus der s Auffassung machen Märchen den Unterschied zwischen Lustprinzip und Verantwortungsprinzip deutlich; darin bestehe ihre pädagogische Wirkung.

Ein Problem der psychologischen oder psychoanalytischen Märchendeutung ist, dass selten zwei Interpretationen eines Märchens übereinstimmen. Das weist auf einen Mangel an Evidenz hin. Der Germanist und Erzählforscher zeigt dies am Beispiel von Interpretationen des Märchens vom Rumpelstilzchen und stellt fest, dass der Nutzen des Märchens, an das sich Menschen erinnern oder von dem sie träumen, für den Psychoanalytiker größer ist als der Nutzen der Psychoanalyse für den Märchenforscher. Für jeden Menschen biete ein Märchen andere Assoziationsmöglichkeiten. Von der Psychoanalyse erfahre man nichts über Herkunft, Alter, Verbreitung und kulturhistorische Hintergründe der Märchen. Röhrich plädiert daher für einen Methodenpluralismus bei der Märcheninterpretation.

Strukturanalysen

Weniger spekulativ sind Ansätze, die die Struktur der Märchen untersuchen. Allen Märchen liegt unabhängig von ihrem Inhalt eine feste, meist sehr klare unilineare (einsträngige) Handlungsstruktur zu Grunde. Typisch ist ein gelegentlich zweiteiliger, oft aber dreiteiliger Aufbau mit Steigerung in der dritten Periode (z. B. drei Aufgaben, drei Brüder oder Schwestern).

Moralische Funktion von Märchen

weist die klassifikatorischen und strukturalistischen Ansätze zurück, die in Märchen bloße Abfolgen von typischen Erzählmotiven sehen. Das Märchen sei auch keine moralische Erzählung im Sinne einer Handlungsethik (warum tut jemand etwas? und ist das eine tugendhafte Handlung oder Ausdruck von Bosheit?). Vielmehr bediene die ?naive? (vor-literarische) Form des Märchens moralische Erwartungen im Sinne einer Geschehensethik: Eine Befriedigung beim Lesen oder Zuhören wird erzielt, wenn eine als ungerecht empfundene Situation so verändert wird, wie es diesem naiven Empfinden zufolge auf der Welt zugehen müsse, also wenn etwa das Glück des Benachteiligten das der Bevorzugten um so viel übertrifft, als es zu Anfang der Erzählung geringer war. Das heiße nicht, das die Bevorzugten von Natur aus stets böse und die Benachteiligten immer gut im ethischen Sinn sind, oder dass Tugend stets belohnt und Laster bestraft werden. Es bedeute nur, dass das ins Schwanken geratene Gerechtigkeitsgefühl durch den Gang des Geschehens wieder ins Gleichgewicht gebracht wird, und zwar oft ohne allzu viel Mühe (z. B. mit Wundermaschinen). Die Abstraktheit von Raum und Zeit und die Namenlosigkeit, ja Austauschbarkeit der meisten Akteure, bei denen es sich um ?symbolische Verdichtungen? (Bernd Wollenweber) handle, trage dazu bei, individuelle Handlungsmotive in den Hintergrund treten zu lassen. Werden die Erzählungen in Raum und Zeit angesiedelt und mit konkreten Figuren ausstaffiert wie bei der Sage, stelle sich sofort die Motivfrage und damit die nach ?guten? oder ?bösen? Handlungen.

Typisch für Märchen sind Dichotomien. Gut und Böse erscheinen meist als gut oder böse charakterisierte Figuren. Ausnahmen bilden z. B. ambivalente Trickstergestalten oder Tiere, welche ?gut mit den Guten und bös mit den Bösen? umgehen; jedoch wird selten die Innenwelt der Figuren beschrieben.

In der Regel enden Märchen damit, dass das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Das gilt insbesondere für literarisch bearbeitete Märchen. Hier zwei Beispiele aus der Sammlung der Brüder Grimm:

Oder aber das ?Böse verzehrt sich an sich selbst? (Lüthi) wie die Hexe in durch ihre Fresssucht.

Ursprung und frühe Textfixierung der Märchen

Eine Untersuchung von Sara Graça da Silva und Jamshid J. Tehranis der Royal Society, stellte 2016 anhand von Sprachvergleichen fest, dass sich die Wurzeln einiger Märchen wie zum Beispiel die von Der Schmied und der Teufel sehr wahrscheinlich bis zu 6000 Jahre zurückverfolgen lassen.

Märchen sind sehr alt und reichen weiter als alle anderen literarischen Formen in der Menschheitsgeschichte zurück; sie können nach verschiedenen Typen klassifiziert und versuchsweise verschiedenen Zeitaltern zugeordnet werden. Zu den ältesten Märchen gehören die . Sie weisen Erzählstrukturen auf, wie wir sie auch aus antiken griechischen und lateinischen Mythenerzählungen kennen (Götter- und Heldensagen), deren Erzählmaterial ebenfalls weit vor den Gebrauch der Schrift als Überlieferungsweg zurückreicht.

Alte Hochkulturen

In den Schriftzeugnissen aller frühen Hochkulturen finden sich märchenhafte Züge, so bereits im Gilgamesch-Epos, das Motive enthält, die auch in Märchen vorkommen. Das war reich an Zauber- und Tiergeschichten. Indien wird eine vermittelnde Rolle zwischen den Erzähltraditionen Asiens und des Vorderen Orients zugeschrieben. Allzu vereinfachende Thesen wie die von Theodor Benfey, die europäischen Märchen seien indischen Ursprungs, gelten jedoch als überholt, da sich identische Märchenmotive in weit auseinander liegenden und einander ganz fremden Kulturen finden. Gerade dieser Umstand ist eine der faszinierendsten Beobachtungen in der Märchenforschung. Tatsächlich beziehen sie sich jedoch immer auch deutlich auf soziale Realitäten in ihren Entstehungskontexten, auch wenn Motive von Land zu Land entlehnt wurden.

Mittelalter und Zeitalter des Absolutismus

Der Germanist und Spezialist für mündliche überlieferte Literatur Johannes Merkel sieht die Entstehung der west- und mitteleuropäischen Märchen in enger Verbindung mit der Lage der ländlichen Unterschichten und ihrer extremen Ausbeutung durch die Leibeigenschaft, was in den frühen französischen Märchen am deutlichsten zum Ausdruck kommt. In den Märchen artikulieren sich in Utopien von einem besseren Leben (was die Wichtigkeit von Essen und Trinken, Motive wie ?Tischlein deck dich? oder die von Lüthi hervorgehobene naive Freude am Metallischen, vor allem an Silber und Gold zeigen), freilich ohne jede Aussicht auf Realisierung, was auch zu eskapistischen Phantasien führt. Die städtischen Unterschichten, vor allem die Handwerksgesellen, seien vergleichsweise mobiler gewesen und hätten andere Strategien entwickelt, sich dem Druck zu entziehen. Die ihren Strategien entsprechende (vor-)literarische Form sei nicht das Märchen, sondern der Schwank (z. B. die Geschichten von Till Eulenspiegel). Im 19. Jahrhundert hätten Märchen durch die Bearbeitung für ein bürgerliches Lesepublikum jedoch eine neue Funktion erhalten und seien zu verniedlichten und entbrutalisierten

Als erster großer europäischer Volksmärchensammler und -nacherzähler gilt der Italiener die 1705 von ihr publizierten, auf Volksmärchen beruhenden Märchennovellen. Aber auch die Volksmärchen der Brüder Grimm sind sprachlich überarbeitet, verharmlost und im christlich-sentimentalen Sinne beeinflusst, ebenso wie alle weiteren europäischen Märchensammlungen des 19. Jahrhunderts in der internationalen Nachfolge der Grimms ebenfalls. Völlig unberührt gelassene Fassungen aus mündlicher Überlieferung gibt es erst im 20. Jahrhundert.

Bernd Wollenweber sieht die Märchen vom Geist der Feudalzeit geprägt; er sieht Analogien zur heutigen ?Regenbogenpresse? mit ihrer Berichterstattung über gekrönte Häupter.

19. Jahrhundert

Der Zeitpunkt der Sammlung und schriftlichen Fixierung der Märchen ist nicht unerheblich für ihre heutige Gestalt. Im 19. Jahrhundert wurden viele mündlich tradierte Märchen erstmals schriftlich von Märchensammlern fixiert; andere wurden aus älteren, bereits literarisch überformten Erzählungen für Erwachsene in die volkstümliche Form des Kinder- und Hausmärchens zum Vorlesen in der Kinderstube zurückverwandelt. Als die Brüder Grimm ihre Märchen aufzeichneten, gab es keine festen Regeln, um die Authentizität der Überlieferung zu sichern. Doch wurden ? abgesehen von erotischen und Verführungsgeschichten oder Rotkäppchens Vergewaltigung in der Version Perraults ? die teils brutalen Stoffe und Motive der ursprünglichen Märchen bis hin zum Kindermord, die dem harten ländlichen Leben der Feudalzeit oder noch früheren Zeiten entstammten, kaum verändert. So finden sich recht häufig die Motive der bösen Stiefmutter (in früher Vorzeit wohl eine ?fremde Frau?, die nicht aus dem eigenen Clan stammt) oder des Neids und der Rivalität von Geschwistern im Ringen um die Gunst eines Elternteils. Diese Motive entsprachen jedoch nicht mehr der Lebenswirklichkeit und den pädagogischen Intentionen der bürgerliche Kleinfamilien zur Zeit der Romantik oder des Biedermeiers. Der sozialhistorische Hintergrund zum Zeitpunkt der Aufzeichnung des Märchens bestimmt also eher dessen literarische Form als dessen Inhalt; dennoch ist er sehr wichtig für das Verständnis der überlieferten Versionen des Märchens.

Diese historischen und soziologischen Aspekte der Textbearbeitung und -rezeption werden von den ?zeitlosen? psychologischen und psychoanalytischen Interpretationsansätzen oft vernachlässigt. So sieht Hans-Wolf Jäger die .

Volksmärchen

Bei Volksmärchen lässt sich kein bestimmter Urheber feststellen. Die mündliche Weitergabe war für lange Zeit die ausschließliche und ist bis heute die natürliche Form der Überlieferung. Dennoch hat auch die schriftliche Überlieferung seit ihren Anfängen auf die traditionelle mündliche Erzählweise miteingewirkt, denn schon im Mittelalter fanden Märchen Eingang in die schriftliche Literatur. Mit der Möglichkeit des Buchdrucks seit dem Ende des 15. Jahrhunderts hat die schriftliche Verbreitung naturgemäß eine größere Bedeutung bekommen. Aufgrund der mündlichen Erzähltradition treten Volksmärchen in vielen teils sehr unterschiedlichen Varianten auf, die desto zahlreicher sind, je älter und je weiter verbreitet ein Märchen ? d. h. eine im Wesentlichen gleiche Kombination von Handlungseinheiten ? ist.

Das Märchen ist somit (wie beispielsweise auch das Volkslied) eine Literaturform, die weder Originale noch Nachahmungen kennt; selbst ein Begriff wie ?Veränderung? bezogen auf ein Märchen, das einem anderen ähnelt, ist inadäquat; die Gesamtheit der Volksmärchenliteratur ist prinzipiell von der Permutation der Handlungseinheiten gelenkt, kein konkretes Märchen X ist von einem andern konkreten Märchen Y ?abhängig?, wie das in der schriftlich tradierten Literatur in der Regel der Fall ist. So bezieht sich Goethe in der Dichtung ''Faust'' erkennbar auf das ''Puppenspiel vom Doktor Faust'', aber das arabische Märchen ''Der Fischer und der Geist'' ist nicht Vorlage des deutschen Volksmärchens ''Der Geist in der Flasche''; beide Märchen verwenden nur eine identische zentrale Handlungseinheit.

Europäische Volksmärchen

Deutsche Märchen

Im deutschsprachigen Raum wird mit dem Begriff Märchen in erster Linie die Volksmärchensammlung '''' der (1812) assoziiert, jedoch gibt es zahlreiche weitere Sammlungen deutscher Volksmärchen, wie das von Ludwig Bechstein, die von Johann Wilhelm Wolf oder die von Wilhelm Hauff, bekannt als .

Französische Märchen

In Frankreich wurde die erste Märchensammlung 1697 von .'' Band 494). Kümmerle Verlag, Göppingen 1988, ISBN 3-87452-731-X.</ref> durch die Tränen eines mitfühlenden Menschen.

In den aus der Zeit der Wende zum 18. Jahrhundert überlieferten französischen Märchen spiegeln sich jedoch die Probleme einer ausdrücken.

Englische Folktales

Die mündliche Überlieferung von Volkserzählungen in England zeigt weitaus optimistischere und fröhlichere Züge als in Frankreich oder Deutschland. Es sind selten komplette Erzählungen, häufig nur Reime oder Lieder überliefert, die jedoch von denselben Figuren handeln wie die deutschen oder französischen Märchen. Immerhin war in der englischen Agrargesellschaft des 18. Jahrhunderts bis zur Frühindustrialisierung Hunger kaum jemals allgemein verbreitet. In neuerer Zeit wurden keltische und englische Volksmärchen von dem Australier Joseph Jacobs gesammelt.

Italienische Märchen

Auch hier tauchen dieselben Figuren und Handlungen auf wie im französischen Märchen. Allerdings werden sie oft ins adlige oder kaufmännische Milieu verschoben und auf eher komisch-.

Spanische Märchen

Spanische Märchen (''cuentos populares'') erzählen von der Konkurrenz zwischen einer kulturell und geistig hochentwickelten maurisch-islamischen Kultur und dem kämpferischen, recht unzivilisierten christlichen Rittertum während der Reconquista. Insofern sind sie deutlicher als etwa deutsche Märchen in einem konkreten regional und zeitlich bestimmten Milieu angesiedelt und ähneln eher den Sagen.

Russische Märchen

Die russischen Volksmärchen wurden von mit ihren Hühnerbeinen oder um die schöne und kluge Wassilissa) sind es vor allem Tiermärchen, wobei die Tiere des Waldes wie Fuchs, Bär und Wolf eine Hauptrolle spielen. Es fehlt jedoch meist der direkt belehrende Charakter, den Tierfabeln haben; in moralischer Hinsicht sind Tiere wie der Bär oft indifferent, eigentlich nur unberechenbar. Manchmal beschützen sie den Helden, manchmal sind sie gefährliche Raubtiere. Das gilt auch für die Figur der ?Hexe? Baba Jaga.

Deutlicher als bei deutschen Märchen ist eine andere pädagogische Funktion vieler russischen Märchen: Durch ausgeprägte Rhythmik, häufige wörtliche Wiederholung und lange Aufzählungen (sog. ?Kettenmärchen? wie ?Der Kolobok? ? im deutschen Sprachraum als Märchen vom ?dicken fetten Pfannekuchen? bekannt) zielen sie darauf, die Merkfähigkeit der Zuhörer zu stärken und das Gedächtnis auf die Probe zu stellen.

Weitere Beispiele europäischer Märchen

Die prägenden Gestalten der skandinavischen Märchentradition sind Trolle, Riesen, Wichtel oder schützende Hausgeister. Sie übernahme jedoch auch altnordische, antike und christliche Mythen und Legenden und wurde auch von Deutschland beeinflusst. Norwegische Volksmärchen sammelte .

Von den Kelten sind fast nur inselkeltische Mythen und Sagen überliefert.

Die bis heute populäre tschechische Schriftstellerin (1820?1862) ist besonders durch ihre Märchensammlung (amerikanische Ausgabe 1921) berühmt geworden. Mit ihrem Werk legte sie außerdem bewusst Grundlagen der heutigen tschechischen Sprache. Zahlreiche ihrer Märchen wurden auch verfilmt und besonders der Märchenfilm '''' gehört seit 1973 zum Standardprogramm deutschsprachiger TV-Sender.

Außereuropäische Märchen

Altägyptische Märchen

Auch aus dem alten sind zahlreiche Märchen aus der Zeit der Pharaonen gesammelt und überliefert worden.

Indische, persische und arabische Märchen

Die indischen Märchen können auf eine sehr lange und vielgestaltige Tradition zurückblicken. Zu den bedeutendsten indischen Märchensammlungen gehört die ungefähr 2000 Jahre alte Märchensammlung namens Panchatantra. Der Indologe Johannes Hertel hat Anfang des 20. Jahrhunderts wichtige wissenschaftliche Beiträge zur Erschließung der Panchatantra geleistet. Die Panchatantra floss vermutlich in eine mittelpersische Sammlung von Erzählungen (''Tausend Erzählungen'') und damit in die arabische Erzähl- und Märchensammlung ''Tausendundeine Nacht'' ein, in der auch Einflüsse griechischer Sagen identifiziert wurden.

Chinesische Märchen

Viele chinesische Volksmärchen enthalten Elemente der traditionellen chinesischen Mythologie; eine Abgrenzung ist schwierig. Typisch ist ihre eher episodenhafte, nicht durcherzählte Struktur. Sie wurden von Richard Wilhelm gesammelt.

Märchen der Sibirier

Die Märchen der Sibirier (z. B. der Tungusen und Jakuten) verweisen auf ihre mongolisch-türkischen Ursprünge, reflektieren aber auch die Nordwanderung dieser Völker in ein subarktisches Umfeld. Sie wurzeln sowohl in alten Heldenepen als auch in schamanistischen Traditionen.

Märchen der indigenen Völker Nordamerikas

Zu den ersten Sammlungen der Märchen der .

Märchen der Südsee

Die Märchen der .

Kunstmärchen

Bei den Kunstmärchen (auch als ''Moderne Märchen'' bezeichnet) handelt es sich um bewusste Schöpfungen von Dichtern und Schriftstellern. Bisweilen greifen sie Motive der Volksmärchentradition auf, meist werden aber neuartige fantastische Wundergeschichten erfunden, die mit dem Volksmärchen aber dennoch durch den Aspekt des Wunderbaren und Unwirklichen verbunden bleiben. Ihr Inhalt wird überwiegend durch die Weltanschauung und die Ideen einer individuellen Person getragen und unterliegt den Einflüssen der Literaturströmungen. Zu den frühen Schöpferinnen von Kunstmärchen zählte Marie-Catherine d?Aulnoy, die eine Märchensammlung in acht Bänden mit teils mündlich überlieferten und von ihr ausgeschmückten, teils auch frei erfundenen Feenmärchen veröffentlichte.

In der Romantik erreichte das Kunstmärchen einen frühen Höhepunkt und erhielt entscheidende Impulse für seine weitere Entwicklung. In der Frühromantik (so bei Clemens Brentano und Ludwig Tieck) lag der Akzent auf künstlichen, teils dramatischen oder satirischen Bearbeitungen von Volksmärchen oder Neuschöpfungen, die die Grenzen der herkömmlichen Märchen hinter sich ließen und sich dem unbefangenen Märchenleser nicht mehr so leicht erschlossen. Das änderte sich jedoch mit den Dichtern der Spätromantik, die den einfachen Märchenton bevorzugten.

Der am meisten gelesene Verfasser von Kunstmärchen im 19. Jahrhundert war Wilhelm Hauff (1802?1827). Seine Märchenbücher ''Die Karawane'', ''Der Scheich von Alexandria'' und ''Das Wirtshaus im Spessart'' erschienen in drei aufeinanderfolgenden Jahren und spielen, wie die Titel schon verraten, vor unterschiedlichem Hintergrund. Während er in den ersten beiden Bänden die Handlung in den Orient verlegt, dient im letzteren der rauere Norden als Schauplatz. All seine Märchen kennzeichnet das Abenteuer, was aus seiner eigenen Begeisterung für die Fremde zu erklären ist.

Zu den beliebtesten Märchendichtern zählt der Däne Hans Christian Andersen (1805?1875). Angeregt wurde er durch die Brüder Grimm und die deutschen Kunstmärchen. Zunächst ist in seinen Märchen noch eine deutliche Anlehnung an das Volkstümliche zu erkennen, doch schon bald entwickelte er seinen eigenen, unverwechselbaren Stil. Im Gegensatz zu den Volksmärchen, die grundsätzlich an einem unbestimmten Ort spielen, beschrieb er sorgfältig den Schauplatz seiner Geschichten und suchte die Nähe zur kindlichen Weltauffassung, was ihm aufgrund des oft traurigen Inhalts nicht immer gelang. Seine Erzählungen weisen eine einfache und ungekünstelte Sprache auf und wirken durch einen eindringlichen Erzählton. Es ging ihm darum, das Wunderbare in die Wirklichkeit des Alltags hineinzuholen, ohne dass eine Kluft zwischen beidem entsteht, wie es bei den Romantikern oft der Fall war. In Dänemark wie in Deutschland sah man in Andersens Erzählungen in erster Linie Märchen für Kinder. Das allerdings widersprach seinem eigenen Selbstverständnis, denn er selbst verstand sich als Autor für alle Altersklassen.

Sozialkritischen Hintergrund haben die Märchen von Oscar Wilde (1854?1900), die ganz im Sinne der Romantik Idealbilder im Widerstreit zu grausamen Realitäten entwerfen oder aus der Sicht des ausgebeuteten Opfers den Egoismus und die Oberflächlichkeit der Herrschenden anprangern.

Edith Nesbit (1858?1924) entführt ihre kindlichen Leser aus einer realen Situation in eine Zauberwelt und am Ende wieder zurück in die Realität. In ihrem letzten Werk ''Meereszauber'' verfolgte sie friedenspädagogische Absichten. Im gleichen Stil entführt Gerdt von Bassewitz (1878?1923) in ''Peterchens Mondfahrt'' seine Leser aus der Kinderstube in eine himmlische Welt mit Fantasy-Charakter. Beeindruckend sind die Begrüßungsballaden der allegorischen Naturgeister im Schloss der Nachtfee.

(1858?1940) erhielt für ihren Märchenroman '''' 1909 den . Einen ähnlichen Hintergrund haben Carlo Collodis (1826?1890) Abenteuer von ''Pinocchio''. In beiden Fortsetzungsgeschichten wird ein unartiges Kind durch schmerzliche Erfahrungen erzogen.

Rafik Schami (* 1946) schachtelt seine orientalischen Märchen ''Der ehrliche Lügner'', ''Erzähler der Nacht'' und ''Der Wunderkasten'' ähnlich jenen aus ''Tausendundeine Nacht'' in Rahmengeschichten.

(* 1947) und (* 1953) sind ab den 1980ern Autoren und Herausgeber sehr erfolgreicher ?alternativer? Märchen bzw. Märchenanthologien für Erwachsene: U. a. ''Die Farben der Wirklichkeit'', ''Wie viele Farben hat die Sehnsucht''. Unter ähnlichen Vorzeichen und ebenfalls in den 1980ern bis Mitte der 1990er hat der Hamburger ''Metta Kinau Verlag'' einige Märchenanthologien jeweils in mehreren Auflagen herausgegeben.

Märchenparodien

Bei Märchenparodien handelt es sich um Parodien bekannter Märchen. Die Handlung weicht dabei mehr oder weniger stark von der des ursprünglichen Märchens ab. Manchmal bezieht sich die Parodie auf ein einziges Märchen und manchmal auf mehrere gleichzeitig. Bekannte Märchenparodien sind:

'''Literatur'''
  • Roald Dahl: ''Konfetti''
  • Roald Dahl: ''Die Prinzessin und der Wilderer''
  • Iring Fetscher: ''Wer hat Dornröschen wachgeküsst?''
  • James Finn Garner: ''Gute-Nacht-Geschichten''
  • Ida Fleiß, Gert Mittring: ''Zahlenmärchen''
  • William Goldman: ''Die Brautprinzessin''
  • Mary M. Kaye: ''Die gewöhnliche Prinzessin''
  • ''
  • : ''Der Hüter des Misthaufens''
'''Filme'''
  • Brothers Grimm von Terry Gilliam
  • Die Braut des Prinzen
  • 7 Zwerge ? Der Wald ist nicht genug
'''Hörspiele'''
  • Märchen von Rolf Gozell
  • Märchen von Christian Peitz
  • ''Onkel Hottes Märchenstunde'' von Oliver Kalkofe

Märchensammler

Meisterliche Märchenerzähler, die Märchen sammeln, gibt es vermutlich, seit es Märchen gibt. Sie trugen zur Entstehung, Überlieferung von Märchen und Märchensammlungen maßgeblich bei.

Zu den bekanntesten Märchensammlern gehören der Italiener Giambattista Basile (1575?1632), der Franzose Charles Perrault (1628?1703), (1735?1787), Benedikte Naubert (1756?1819), die (1785?1863)/(1786?1859), Ernst Moritz Arndt (1769?1860), Ludwig Bechstein (1801?1860), der Norweger (1812?1871), der Russe Alexander Nikolajewitsch Afanassjew (1826?1871) sowie der Schweizer Pädagoge Otto Sutermeister (1832?1901). Eine Sammlung orientalischer Märchen enthalten die Geschichten aus ''Tausendundeine Nacht''. Die von Friedrich von der Leyen begründete Reihe '''' stellt Märchen aus aller Welt vor.

Märchenerzähler

Zu den frühen Märchenerzählern können unter anderem die Barden gezählt werden. Sie setzen damit eine Erzählkultur fort, die bereits in einem frühen indogermanischen Sprach- und Kulturraum angelegt gewesen sein muss.

Bei den Berbern in Nordafrika gibt es die kulturell bedeutsame Erzähltradition bis heute.

Die meisten Märchenerzähler der Gegenwart sammeln alte Volksmärchen und setzen sich für deren Erhaltung und die Tradition des Erzählens ein. Bekanntheit im deutschsprachigen Raum haben insofern u. a. die Deutschen Klaus Adam, Frank Jentzsch, Frieder Kahlert, Elsa Sophia von Kamphoevener, Christian Peitz und Michaele Scherenberg, die Österreicher Eva Jensen, Norbert Julian Kober, , Erwin Stammler, Folke Tegetthoff, und Helmut Wittmann und die Schweizer und Hasib Jaenike erlangt. Im internationalen Bereich sind Naceur Charles Aceval (Algerien), Radha Anjali (Indien), Eth Noh Tec (Japan), Heather Forest (USA), Huda al-Hilali (Irak), Jankele Ya'akobson (Israel), Saddek El Kebir (Algerien), Laura Kibel (Italien) und Antonio Sacre (Kuba) zu nennen. Im süddeutschen Raum wurde 1999 ein Bildungsträger mit dem Namen Goldmund e.V. gegründet, der Geschichtenerzähler ausbildet. Schulen für Märchenerzähler gibt es mittlerweile einige, z. B. die Märchenschule ''RosenRot'' in München oder das Märchenzentrum ''Dornrosen'' in Nürnberg oder die ''Mutabor Schule für Märchen und Erzählkultur'' in Trachselwald (Schweiz). In Deutschland wurde 1956 in Rheine/Westfalen die (EMG) gegründet, die mit ihren mittlerweile 2.500 Mitgliedern zu den größten literarischen Gesellschaften zählt und seit einigen Jahrzehnten u. a. Kurse zur Märchenkunde und zum Märchenerzählen anbietet.

Eine Sonderform des Märchenerzählers ist der fahrende Mundwerker bzw. Bänkelsänger, ein Vertreter des ?fahrenden Volkes?. Fahrendes Volk war in Deutschland bis in die 1930er Jahre anzutreffen. Diese Mundwerker zogen umher und erzählten gegen Entgelt Moritaten und/oder sangen Bänkellieder.

Festivals (Märchenerzähler, -theater)

  • . Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung''. de Gruyter, Berlin 1977?2015, 15 Bände, ISBN 3-11-005805-7.
  • Hannah Fissenebert: Das Märchen im Drama: eine Studie zu deutschsprachigen Märchenbearbeitungen von 1797 bis 2017. In: Christopher Balme (Hrsg.): Forum Neues Theater. 1. Auflage. Band 55. Narr Francke Attempto Verlag, Tübingen, ISBN 978-3-8233-8314-7.
  • Helga Arend, André Barz (Hrsg.): ''Märchen ? Kunst oder Pädagogik?'' (= ''Schriftenreihe Ringvorlesungen der Märchen-Stiftung Walter Kahn.'' 9). Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2009, ISBN 978-3-8340-0569-4.
  • Bruno Bettelheim: ''Kinder brauchen Märchen.'' (= ''dtv. Dialog und Praxis.'' 35028). 20. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-423-35028-8.
  • Ulf Diederichs: ''Who's who im Märchen'', Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG., München 1995, ISBN 3-423-30503-7.
  • Hans Honti: ''Märchenmorphologie und Märchentypologie.'' In: ''Folk-Liv.'' Band 3, 1939, S. 307?318.
  • Michael Küttner: ''Vom Geist aus der Flasche. Psychedelische Handlungselemente in de?n Märchen der Gebrüder Grimm.'' Pieper's MedienXperimente, Löhrbach 1999, ISBN 3-930442-42-6 (''Edition RauschKunde''), (Zugleich: Gießen, Univ., 1993: ''Psychedelische Handlungselemente in den Märchen der Brüder Grimm.'').
  • Günter Lange (Hrsg.): ''Märchen ? Märchenforschung ? Märchendidaktik.'' (= ''Schriftenreihe Ringvorlesungen der Märchen-Stiftung Walter Kahn.'' 2). 2. Auflage. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2007, ISBN 978-3-89676-939-8.
  • : ''Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen''. (1947). 11. Auflage, UTB / Francke, Tübingen / Basel 1997, ISBN 978-3-8252-0312-2.
  • Max Lüthi: ''Märchen'' (Sammlung Metzler), Stuttgart 1962, bearbeitet von Heinz Rölleke, 10. Auflage. Metzler, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-476-20016-7.
  • Burkhard Meyer-Sickendiek: ''Die Angst im Märchen.'' In: Burkhard Meyer-Sickendiek: ''Affektpoetik. Eine Kulturgeschichte literarischer Emotionen.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3065-6, S. 287?318.
  • Almut-Barbara Renger: ''Zwischen Märchen und Mythos. Die Abenteuer des Odysseus und andere Geschichten von Homer bis Walter Benjamin. Eine gattungstheoretische Studie.'' Metzler, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-01986-1. (Zugleich: Heidelberg, Univ., Diss., 2000)
  • : ''Musik im Märchen'', Reichert-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-89500-839-9.
  • Oskar Ruf: ''Die esoterische Bedeutung der Märchen.'' Knaur, München 1992, ISBN 3-426-86007-4.
  • Michael Maar: ''Hexengewisper. Warum Märchen unsterblich sind.'' Berenberg Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-937834-53-5.
  • Frederik Hetmann: ''Märchen und Märchendeutung. Erleben & Verstehen.'' Königs Furt Verlag, Klein Königsförde/Krummwisch 1999, ISBN 3-933939-02-X.
  • (Hrsg.): ''Handbuch zu den ?Kinder- und Hausmärchen? der Brüder Grimm. Entstehung ? Wirkung ? Interpretation.'' De Gruyter Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-11-031743-5.

Weblinks

  • bei Woxikon, nach Autoren gelistet
  • Erzähler-Listen, Lese-Bibliotheken, Märchenzeitschrift

Einzelnachweise